Von Schreibstimmen und hohen Standards

16.03.2016

Praktikanten gibt es bei Wortwahl nur selten. Für Christian haben wir gerne eine Ausnahme gemacht: Er wollte nach Studienabschluss und vor Start seiner Journalistenschule PR & Co. kennenlernen. Wir haben ihn seine größte Leidenschaft – das Texten – bei uns ausleben lassen, wie auch sein schöner und intensiver Erfahrungsbericht zeigt.

Halt den Anfang kurz, kill your darlings, spar an Adjektiven: Innere Stimmen wie diese entwickelt jeder Schreiber mit der Zeit. Sie wispern Ermahnungen für Schachtelsätze und jaulen auf bei Floskeln. Als ich im Oktober 2014 mein Praktikum bei Wortwahl angefangen habe, dachte ich, diese Schreibstimmen für eine Weile losgeworden zu sein. Nach zweieinhalb Jahren Lokaljournalismus, so meinte ich, könnte mich die Unternehmenskommunikation textlich nicht auf die Probe stellen. Ich lag weit daneben. Warum?

Mit allen Wassern gewaschen?

Der Grund für meinen Trugschluss war natürlich ich selbst. Gerade Lokaljournalisten entwickeln leicht die Vorstellung, sprachlich mit allen Wassern gewaschen zu sein. Kein Wunder: Am Morgen die Bilanzpressekonferenz eines Schraubenherstellers. Am frühen Nachmittag die Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes an einen Labormediziner. Und am Abend Diskussionen mit örtlichen Anglern über die Flora und Fauna ihres Reihers. Solch ein Tag kann gerade im Lokaljournalismus vorkommen – und einem Schreiber (vorausgesetzt, er übersteht ihn) den Eindruck vermitteln, ein (farb)wandelndes Text-Chamäleon zu sein.

Mein Ausflug in die Welt der Public Relations hat mir gezeigt, dass Journalisten mit dieser Herausforderung nicht alleine da stehen. Im Gegenteil: Unternehmenskommunikation kann ähnliche oder sogar noch größere Ansprüche an einen Schreiber stellen. Warum? Weil – im Gegensatz zum Journalismus – das Zielpublikum, die Leserschaft so stark variiert. Und weil jeder Text von den Experten – den Auftraggebern – gegengelesen wird. Das hieß praktisch für mich, dass sich zu den üblichen Schreibstimmen in meinem Kopf noch viele hinzugesellen mussten.

Für das jeweilige Publikum schreiben

Als Journalist habe ich darauf geachtet, Fachvokabular genauso wie Details zu vermeiden, da ich den hypothetischen Otto Normal vor Augen hatte, der von jedem Thema wenig bis keine Ahnung hat. Bei Wortwahl habe ich für den Durchschnittsleser genauso geschrieben wie für Fachjournalisten, Profis und Experten. Meine Themen reichten von Sportevents über Krantechnik bis hin zu Luftfiltern. Und jedes Mal musste ich darauf achten, die dem jeweiligen Publikum angemessensten Bezeichnungen und Beschreibungen zu finden.

Hinzu kam die Vielzahl der Formen. Ich habe Fachartikel und Pressemitteilungen, Flyer und Broschüren getextet. Ich habe gepostet, getwittert und ge-instragramt. Ich habe sloganartige 150-Zeicher geschrieben und mehrseitige Geleitwörter. Kurz und gut: Ich bin inzwischen überzeugt, dass nahezu jede Textart in der Unternehmenskommunikation zum Einsatz kommen kann. Und ich weiß, dass man in den Public Relations noch öfter ganz von vorne anfängt. Wenn ein neues Unternehmensmagazin, eine Website entworfen oder eine Kommunikationsstrategie entwickelt wird, zum Beispiel. Das erfordert viel Kreativität und Flexibilität. Und war für mich zugleich einer der überraschendsten und spannendsten Aspekte meiner drei Monate bei Wortwahl.

Gefallen hat mir auch die Detailbesessenheit, mit der ich an jedem Text arbeiten konnte und sollte. Was auch immer ich geschrieben habe, es blieb selten beim ersten Entwurf. Journalistische Unwörter (stattfinden, durchführen etc. pp.) und Nominalstil auszumustern, das war mir vertraut. Schwieriger war es, positive Wörter zu wählen sowie Verneinungen zu umgehen. Dabei gleichzeitig jeden Griff in den Satzbaukasten („Weil Du es Dir wert bist!“) zu vermeiden – das war eine Herausforderung.

Viel Raum zur Entfaltung

Eine Herausforderung, die sehr viel Spaß gemacht hat, gerade weil ich Raum fürs Schreiben hatte. „Raum“ zunächst im ganz buchstäblichen Sinne, denn mein Schreibtisch bei Wortwahl war so groß, dass ich mehr als nur meine Gedanken ausbreiten konnte. „Raum“ aber auch im Sinne von Zeit, schon tagsüber an meinen Texten zu feilen und nicht erst nach Feierabend. (Kleiner Einschub: Ich musste keine Überstunden machen!) Und „Raum“ am entscheidendsten im Sinne von room for improvement: Murtaza ist mit mir jeden Text so oft durchgegangen, bis der Text seine finale Gestalt erreicht und ich dazu gelernt hatte.

Am wichtigsten für meine Zeit war das Team. Sich in Unternehmen hineindenken, in bisher unbekannte Fachgebiete, komplexe Technologien – das geht nur gemeinsam. Bei Wortwahl war ich von Anfang an nicht Praktikant, sondern Kollege. Ich habe die Texte der anderen gegengelesen und korrigiert, zusammen mit ihnen gebrainstormt und Ideen entwickelt. Ich habe den Alltag einer Agentur kennengelernt und dabei – zumindest gefühlt – genauso viel gelacht wie geschrieben. Von den drei Monaten ist mir ein Wir-Gefühl geblieben. Und immer beim Schreiben die Stimmen meiner Kollegen aus dem Off.

Christian Engel
Praktikant bei Wortwahl von Oktober bis Dezember 2014
Seit Januar 2015 an der Evangelischen Journalistenschule Berlin:
http://www.evangelische-journalistenschule.de/ausbildung/elfter-jahrgang

Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation

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